Verein oder Club in Lüneburg? Weder noch – und das mit Absicht

Reych Nr. 369, „Auf der Heide", seit wenigen Jahren in der Ilmenauburg

In einer Stadt mit knapp 80.000 Einwohnern und einer Universität mit rund 9.800 Studierenden mangelt es nicht an Vereinen. Sport, Kultur, Ehrenamt, Fördervereine für so ziemlich alles. Wer sucht, findet. Es gibt aber eine Sorte von Zusammenschluss, die in keine dieser Kategorien fällt, weil sie keinen Zweck außerhalb ihrer selbst verfolgt.

Was hier tatsächlich getan wird

Die Schlaraffia „Auf der Heide" sammelt keine Spenden, betreibt keinen Sport und will in Lüneburg nichts bewegen. Sie pflegt Humor, Kunst und Freundschaft – und das ist nicht die Präambel der Satzung, sondern die vollständige Tätigkeitsbeschreibung. Was daraus entsteht, entsteht unter Männern, die sich einen Abend in der Woche aus ihren Rollen verabschieden.

Beruf und Rang spielen dabei keine Rolle. Nach einer Stunde weiß niemand mehr, wer was tagsüber macht, und es interessiert dann auch niemanden mehr besonders.

Ein Beispiel, das es nur hier geben kann

Wie das konkret aussieht, zeigt der Herbst 2026. Das Reych widmet dem Komponisten Johann Abraham Peter Schulz gleich zwei Abende: eine Vollmondsippung im Oktober und im November die Ernennung zum Ehrenschlaraffen unter dem Namen „Liedermann". Schulz wurde 1747 in Lüneburg geboren, besuchte hier das Johanneum und schrieb die Melodie zu „Der Mond ist aufgegangen". Sein Glockenspiel erklingt seit 1956 am Rathaus, seine Büste steht vor der Ratsbücherei.

Ein Komponist, seit über zwei Jahrhunderten tot, wird zum Ehrenmitglied ernannt: Das ist genau die Mischung aus Ernst und Albernheit, um die es hier geht. Man kann es albern finden. Man kann es aber auch als das erkennen, was es ist – eine Stadt, die sich an ihre eigenen Leute erinnert.

Warum die Burg aussieht, wie sie aussieht

Manche Reyche sitzen seit über hundert Jahren in eigenen, prunkvollen Häusern. „Auf der Heide" nicht. Die Ilmenauburg ist erst seit wenigen Jahren in Betrieb, eingerichtet in den ehemaligen Kegelbahnen am Hasenburger Ring 2 – im selben Haus, in dem heute das nepalesisch-indische Restaurant Mt. Everest wirtet. Alles darin ist selbst gemacht.

Das hat einen unterschätzten Vorteil: Es ist unmöglich, hier ehrfürchtig zu werden. Wer in einer umgebauten Kegelbahn einen Rittersaal betreibt, nimmt sich selbst zwangsläufig mit Humor.

Wie man dazukommt

Nicht auf Antrag. Man kommt als Gast, mehrmals, und stellt in Ruhe fest, ob es passt – in beide Richtungen. Ein Beitritt steht am Ende dieses Weges, nicht an seinem Anfang. Der Besuch selbst kostet nichts und verpflichtet zu nichts.

🦉 Reych ist die schlaraffische Bezeichnung für den örtlichen Verein. Weltweit gibt es über 200 davon. Lüneburg führt die Nummer 369 und den Namen „Auf der Heide"; die Burg heißt Ilmenauburg, nach dem Fluss.

Lernen Sie uns kennen

Ein Gastbesuch ist kostenlos und unverbindlich – der beste Weg, um zu spüren, ob es passt.