Freizeit in Lüneburg - ein Abend, der anders ist

Wenn Kino, Kneipe und Couch nicht mehr reichen

Irgendwann kennt man die Abende in Lüneburg auswendig. Das eine Lokal, die eine Serie, die immer gleiche Runde. Nicht schlecht - aber auch nicht das, worauf man sich den ganzen Tag freut. Wenn Sie das kennen, sind Sie hier richtig. Denn es gibt in Lüneburg einen Abend, der sich anders anfühlt.

Die unscheinbarste Burg der Stadt

Sie steht nicht in der Altstadt, und von außen sieht man ihr nichts an.

Lüneburg hat rund 1300 denkmalgeschützte Backsteinhäuser, einen funktionsfähigen mittelalterlichen Hafenkran an der Ilmenau und eine Altstadt, die sich vom jahrhundertelangen Salzabbau bis heute langsam senkt. An sehenswerten Fassaden herrscht hier also kein Mangel. Die Burg, um die es auf dieser Seite geht, gehört nicht dazu. Sie liegt am Hasenburger Ring, ein Stück außerhalb der Altstadt, und von außen ist ihr nicht das Geringste anzusehen.

Eine Burg in einer Kegelbahn

Die Ilmenauburg - benannt nach dem Fluss, der Lüneburg mit der Elbe verbindet - ist in den ehemaligen Kegelbahnen des Hauses am Hasenburger Ring 2 eingerichtet, in dem heute das nepalesisch-indische Restaurant Mt. Everest wirtet. Das ist kein Notbehelf, über den man höflich hinwegsieht, sondern der Witz an der Sache: Ein Raum, der jahrzehntelang für Bier und alle Neune gedacht war, ist heute ein Rittersaal. Erst seit wenigen Jahren nutzt das Reych diese Räume, und man merkt dem Ort an, dass er selbst gebaut wurde.

Von draußen: ein Gasthaus mit Parkplatz, davor der Duft von Curry. Von drinnen: Wappen an der Wand, eine kleine Bühne, eine lange Tafel. Die meisten Gäste brauchen einen Moment, um diesen Sprung mitzumachen.

Was dienstags dort passiert

In der Winterung - so heißt das schlaraffische Winterhalbjahr, das am 6. Oktober beginnt - trifft man sich dienstags um 19.30 Uhr für etwa zweieinhalb Stunden. Kein Handy, kein Termindruck, keine Tagesordnung im üblichen Sinn. Jemand trägt ein selbst geschriebenes Gedicht vor, jemand singt, jemand hält einen Vortrag und wird dabei zweimal von einer guten Pointe unterbrochen.

Die Themen sind dabei alles andere als beliebig. Ein Abend im Oktober gehört Hermann Löns und der brennenden Heide. Ein anderer dem Komponisten Johann Abraham Peter Schulz, der 1747 in Lüneburg geboren wurde und dessen Melodie zu „Der Mond ist aufgegangen" bis heute jeder kennt - begangen als Vollmondsippung, was man erst komisch und dann treffend findet. Lüneburg kommt an diesen Abenden also durchaus vor, nur anders als im Reiseführer.

Als Gast dabei sein

Ein Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Sagen Sie vorher kurz Bescheid, dann erwartet Sie jemand und erklärt Ihnen, was gerade passiert - das erspart die ersten zwanzig Minuten Rätselraten über die schlaraffische Sprache. Nach einem Abend wissen Sie ziemlich sicher, ob Sie wiederkommen möchten.

🦉 Auf der Heide heißt das Lüneburger Reych, es trägt die Nummer 369. Über dem Ganzen steht der Wahlspruch aller Schlaraffen: In arte voluptas - in der Kunst liegt das Vergnügen.

Ein Abend, an dem der Alltag draußen bleibt

Stellen Sie sich einen Kreis von Männern vor, die sich regelmäßig treffen - nicht um zu reden, wer welchen Wagen fährt, sondern um gemeinsam zu lachen, zuzuhören und ein paar Stunden lang den Ernst des Lebens abzulegen. Kein Handy auf dem Tisch, kein Termindruck, kein Konkurrenzdenken. Stattdessen: ein Gedicht, ein Lied, eine kluge Pointe, ein gutes Gespräch.

Was hier zählt, ist nicht der Beruf und nicht der Kontostand. Ein Handwerker sitzt neben einem Arzt, ein Lehrer neben einem Unternehmer - und nach einer Stunde merkt niemand mehr, wer was „im richtigen Leben" macht. Genau das macht diese Abende so wohltuend anders.

Warum das gerade heute guttut

Vieles in unserer Freizeit ist inzwischen still, allein und vor einem Bildschirm. Man konsumiert, statt teilzunehmen. Ein Abend in echter Gesellschaft - mit Menschen, die einem zuhören und die man wiedersieht - ist dagegen fast ein Luxus geworden. Es ist die Art von Freizeit, die abends nicht müde, sondern reicher macht.

Und das Schöne: Man muss nichts können und nichts mitbringen. Wer mag, trägt selbst etwas bei - wer lieber zuhört, hört zu. Beides ist willkommen.

Was Sie an einem solchen Abend erwartet

Man kommt an, wird herzlich begrüßt und muss sich um nichts kümmern. Der Abend hat einen lockeren roten Faden: mal trägt jemand ein Gedicht vor, mal erklingt Musik, mal wird herzhaft über eine gute Pointe gelacht. Dazwischen bleibt viel Raum für Gespräche - die Art von Gesprächen, die man am nächsten Tag noch im Kopf hat. Niemand drängt, niemand prüft, niemand will Ihnen etwas verkaufen.

Als Gast sind Sie eingeladen, einfach dabei zu sein. Viele beschreiben es hinterher mit demselben Satz: „So einen Abend hatte ich lange nicht mehr." Und genau darum geht es - um Stunden, die aus der Reihe fallen, im besten Sinne.

🦉 Und wie heißt das Ganze? Dieser Abend hat einen Namen: Schlaraffia - ein weltweiter Bund von Männern, die Humor, Kunst und Freundschaft pflegen. In Lüneburg gibt es dafür einen eigenen Kreis, der sich regelmäßig trifft.

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