Kultur und Kleinkunst in Lüneburg: was in der Ilmenauburg erklingt

Kultur bei der Schlaraffia in Lüneburg entsteht dienstags in der Ilmenauburg am Hasenburger Ring, und sie kommt aus eigener Feder. Die Sassen des Reyches Auf der Heide tragen selbst gedichtete Verse, Lieder, Musik und kleine Reden vor. Gäste sind Zuhörer und dürfen das bleiben, solange es ihnen gefällt.

Ein Ständchen für den Liedermann

Wie ernst das Reych seine Musik nimmt, zeigt eine Geschichte aus der Altstadt. Zum 277. Geburtstag des Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz zogen Sassen am 31. März 2024 vor sein Geburtshaus in der Waagestraße und anschließend zu seiner Büste am Marienplatz, um ihm ein Ständchen zu bringen. Unter anderem erklang „Der Mond ist aufgegangen“, dessen Melodie von Schulz stammt, und Passanten blieben stehen und sangen mit. In der Burg hat man den Faden weitergesponnen: Eine Vollmondsippung war ihm gewidmet, und der Kalender kündigt seine Ernennung zum Ehrenschlaraffen unter dem Namen „Liedermann“ an.

Ritterarbeiten und die Magister-Ludi-Kette

Am Anfang einer Winterung werden in Lüneburg Ritterarbeiten vergeben, also künstlerische Aufgaben, an denen die Angehenden feilen. Vorgetragen werden sie beim Kunst-Turney um die Magister-Ludi-Kette, deren Name an Hermann Hesses Glasperlenspieler erinnert. Gegen Ende der Winterung wird es dann salzig, wenn beim Turney um den Saltzsack unter dem Motto „Sole, Salz und Schmalz“ die Federn gespitzt werden.

Von Hamlet bis zum Klabautermann

Die Mottos der Dienstage sind eine Einladung zum Wortspiel. „Sein oder Nichtsein: Hamlet oder Omelett“ lässt keinen Zweifel daran, wie ehrfürchtig Shakespeare hier behandelt wird. Ein anderer Abend bringt Neues vom Klabautermann, eine Feuerwehrsippung ruft „Hermann Löns, die Heide brennt!“, und beim schlaraffischen Strandgut darf jeder loswerden, was er noch sagen wollte. Ritter- und profane Namen werden einmal als Schall und Rauch verhandelt, und zu einer Musiksippung kommen auch Burgfrauen und Tross. Mehrere Schlaraffiaden nehmen sich die Heimat vor, mit Stadt, Land, Heide und Fluss als Stoff für Reime.

Salzstadt mit Sinn für Töne

Lüneburg macht es einem Reych leicht, kulturell zu denken. Das Salz, das hier rund tausend Jahre gesotten wurde, hat die Kirchen, das Rathaus und die Bürgerhäuser der Backsteingotik bezahlt, und am Ort der alten Saline erzählt heute das Deutsche Salzmuseum davon. Das Reych hat aus diesem Erbe seinen Titel als Salzreych gemacht und trägt das Thema mit Vergnügen in seine Fechsungen. Mit Schulz, dem Salz und der Heide hat das Reych also genug Lüneburger Stoff, um noch viele Winterungen zu füllen.

Kommen, zuhören, wiederkommen

Als Gast müssen Sie weder singen noch reimen. Welche Mottos die nächsten Dienstage tragen, steht im Veranstaltungskalender, und Antworten rund um Ihren ersten Besuch sammelt die Seite Häufige Fragen. Was Schlaraffen in aller Welt verbindet, erklärt schlaraffenfreunde.de unter Schlaraffia im Überblick.

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