Rund tausend Jahre lang wurde in Lüneburg Salz gesotten — von der ersten Urkunde des Jahres 956 bis zum Ende der Förderung 1980. Genau auf diesem Boden sippt seit 1969 ein Schlaraffenreych, das sich deshalb das einzig wahre Salzreych des Uhuversums nennt — und das diesen Anspruch 2008 gegen Göttingen verteidigt hat, mit einer Fehde.
Eine weiße Wildsau — die Legende
Bei Lüneburg liegen die Ablagerungen des 250 Millionen Jahre alten Zechsteinmeers so oberflächennah, dass sie früh mit einfachen Mitteln zu gewinnen waren. Wie die erste Quelle gefunden wurde, erzählt eine Legende — und sie ist ausdrücklich als Legende erzählt, nicht als Bericht: Um das Jahr 800 habe ein Jäger eine schneeweiße Wildsau erlegt. Weiß war sie von kristallisiertem Salz, weil sie sich in einer Salzquelle gesuhlt hatte. So sei man dem Salz auf die Spur gekommen.
956 — die erste Urkunde
Die erste urkundliche Nachricht von Lüneburg gehört ins Jahr 956: König Otto I. sprach den Zoll der Saline dem Michaeliskloster zu. Burg, Kloster und Saline bestanden damals bereits — die Urkunde ist also nicht der Anfang, sondern der erste Beleg.
1247 gab Herzog Otto das Kind der Stadt ein eigenes Recht; Salzgewinnung und Münze wanderten allmählich in bürgerliche Hand.
54 Siedehütten und 216 Pfannen
In der Blütezeit stand um den Sod, den Salzbrunnen, eine ganze Fabrikstadt aus Holz und Feuer:
- 54 Siedehütten mit 216 Siedepfannen
- täglich etwa fünfunddreißig Tonnen Salz
- siebzig Lastkähne, die die Stadt für den Transport hielt
1465 erlaubte der Papst, auch an Feiertagen zu sieden — ausgenommen der Karfreitag. Man wird das nicht als Frömmigkeit lesen, sondern als Wirtschaftspolitik.
Die Alte Salzstraße nach Lübeck
Reich geworden ist Lüneburg nicht am Salz allein, sondern am Weg. Bis ins vierzehnte Jahrhundert brauchte der Landweg über die Alte Salzstraße nach Lübeck fünf Wochen. 1391 begannen die Lübecker, Stecknitz und Delvenau schiffbar zu machen; 1398 trafen die ersten salzbeladenen Schiffe ein, und der nasse Weg dauerte nur noch drei bis vier Wochen.
Im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert gingen so über zwanzigtausend Tonnen Salz und mehr als tausend Schiffe im Jahr nach Lübeck. Das weiße Gold bezahlte die Kirchen, das Rathaus und die Bürgerhäuser der Backsteingotik, für die die Altstadt heute bekannt ist. Als Salzstadt hatte Lüneburg in der Hanse Gewicht; den amtlichen Namenszusatz Hansestadt führt es wieder seit 2007.
Der Kalkberg — der Hut über dem Salz
Der Kalkberg im Westen der Stadt ist der Gipshut über diesem Untergrund. Ursprünglich etwa achtzig Meter hoch, ist er durch jahrhundertelangen Gipsabbau — beendet 1923, als die Lagerstätte erschöpft war — auf 56,3 Meter über Normalnull geschrumpft.
Auf ihm stand seit der Mitte des zehnten Jahrhunderts die Burg Hliuniburg, Herrschaftssitz bis zum Hornung 1371 — der Hornung ist der Februar —, als die Bürger sie im Lüneburger Erbfolgekrieg zerstörten. Seit 1932 ist der Kalkberg Naturschutzgebiet, 3,6 Hektar groß und eines der ersten Naturschutzgebiete Deutschlands innerhalb eines Stadtgebiets.
1980 — das Ende
Nach etwa tausend Jahren wurde 1980 die Salzförderung eingestellt. Am Ort der alten Produktionsstätten steht heute das Deutsche Salzmuseum; die Sole wird im Solebad weiter genutzt.
Das Reych 369 war zu diesem Zeitpunkt elf Jahrungen alt. Es hat den Titul „Salzreych“ also nicht von einer blühenden Saline übernommen, sondern von einer, die zu seinen Lebzeiten schloss — das macht den Titul eher würdiger als kleiner.
Der Titul und die Fehde von 2008
Aus dem Ort hat dieses Reych sein Wappenwort gemacht. Die Ilmenauburg thront, wie es der Chroniktext des Reychsarchivs ausdrückt, auf dem Gipfel eines unermesslich großen Steinsalzgebirges — und darum ist das Reych im Uhuversum als das „Einzig wahre Salzreych des Uhuversums“ bekannt.
Der Anspruch blieb nicht unwidersprochen. Das Reych Athenae Gottingenses in Göttingen, nach Lüneburger Lesart Hüterin nur eines kümmerlichen Salzhorstes, erhob ihn ebenfalls. Am 5. Lenzmond a. U. 149 — der Lenzmond ist der März, a. U. heißt anno Uhui und wird mit 1859 ins profane Jahr umgerechnet, das ist also der 5. März 2008 — verkündete Auf der Heide die Reychsfehde. Die Göttinger nahmen sie mit Freuden an; ausgefochten wurde in der folgenden Winterung.
Gestritten wurde in einem Turney um den güldenen Salzsack. Und wie das unter Schlaraffen ausgeht, zeigt der Schluss: Ein Reychseinritt der Göttinger mit zwanzig Sassen hat die Freundschaft danach wieder festgemacht. Eine Fehde unter Schlaraffen endet mit Versöhnung, nicht mit Groll.
Die Angaben zur Lüneburger Salzgeschichte sind öffentlich nachweisbar, unter anderem bei der Hansestadt Lüneburg und dem Deutschen Salzmuseum; die Geschichte von der weißen Wildsau ist eine Legende und hier ausdrücklich als solche bezeichnet. Der schlaraffische Teil folgt dem elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv, überwiegend den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung; der Titul „Einzig wahres Salzreych des Uhuversums“ ist außerhalb schlaraffischer Quellen nicht bestätigt. Der Satz über das Steinsalzgebirge unter der Burg stammt aus einem Chroniktext, den das Archiv als maschinell erzeugte Verdichtung einer Vorlage kennzeichnet. Auf den Tag genau ist das Ende der letzten Salzsiedung in Lüneburg nicht belegt; gesichert ist das Jahr 1980.